Blähungen gehören zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden. Viele Menschen kennen das Gefühl eines aufgeblähten Bauches, Druckgefühls oder vermehrter Gasbildung im Darm. Gelegentliche Blähungen sind völlig normal-v.a. nach blähenden Nahrungsmitteln. Treten sie jedoch regelmäßig auf oder beeinträchtigen den Alltag, kann es sinnvoll sein, möglichen Ursachen genauer nachzugehen.

Dabei gibt es nicht die eine Ursache für Blähungen. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Eine häufige Ursache für Blähungen können Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein. Hierzu zählen beispielsweise Unverträglichkeiten gegenüber Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose) oder Gluten. Werden diese Stoffe im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen, gelangen sie in den Dickdarm. Dort werden sie von Darmbakterien verstoffwechselt, wobei Gase entstehen können.

Am häufigsten beobachte ich in der Praxis, daß diese Unverträglichkeiten erst im Laufe des Lebens auftreten und nicht von Geburt an bestehen. Sie können häufig eine Folge von einer geschädigten Darmschleimhaut sein.

Typische Beschwerden sind:

 

In der Naturheilkunde wird außerdem Wert darauf gelegt, die zeitverzögerten Nahrungsmittelunverträglichkeiten (sog. IgG4 Unverträglichkeiten) zu untersuchen. Diese sind schulmedizinisch nicht anerkannt. Dies sind Unverträglichkeiten, die sich nicht unmittelbar nach dem Verzehr in Form von Verdauungsbeschwerden, wie z.B. Blähungen, Durchfall o.ä. zeigen. Sie treten vielmehr mit einer deutlich Zeitverzögerung (bis zu 3 Tage) auf, so daß der Betroffene diese Beschwerden nicht direkt einem Lebensmittel zuordnen kann.

 

Veränderungen der Darmflora

In unserem Darm leben Milliarden von Mikroorganismen, die an zahlreichen Verdauungsprozessen beteiligt sind.

Kommt es zu Veränderungen der Zusammensetzung dieser Darmflora, kann dies die Verdauung beeinflussen. Solche Veränderungen werden beispielsweise nach Antibiotikatherapien, bei längerem Stress oder durch ungesunde Ernährungsgewohnheiten beobachtet.

Eine ungünstige Veränderung in der Darmflora kann zu Blähungen, zu Durchfall oder anderen Verdauungsbeschwerden führen

 

Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO)

Bei manchen Menschen können sich Dickdarmbakterien verstärkt im Dünndarm ansiedeln. Der Dünndarm enthält normalerweise deutlich weniger Bakterien als der Dickdarm.

Wird Nahrung bereits im Dünndarm verstärkt vergoren, können Blähungen, Druckgefühle und Bauchbeschwerden entstehen, häufig bereits kurz nach dem Essen. Eebenso können die Betroffenen unter Bauchkräpfen, Durchfall oder Verstopfung leiden.

 

Pilzbelastungen im Darm

Auch Hefepilze, insbesondere Candida-Arten, werden im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden diskutiert.

Unter bestimmten Umständen kann sich das Gleichgewicht im Darm verändern und Pilze können sich dort vermehren. Häufig entstehen dadurch Probleme und Betroffenen haben Blähungen und Verdauungsbeschwerden.

 

Magensäuremangel

Die Magensäure spielt eine wichtige Rolle bei der Aufspaltung von Nahrung und der Vorbereitung der weiteren Verdauung.

Ist zu wenig Magensäure vorhanden, können Eiweiße und andere Nahrungsbestandteile möglicherweise nicht optimal verdaut werden. Dies kann zu Völlegefühl, Druck im Oberbauch oder Blähungen beitragen.

Interessanterweise können Beschwerden wie Aufstoßen oder Sodbrennen nicht nur bei zu viel, sondern auch bei zu wenig Magensäure auftreten. Die Problematik, daß zu wenig Magensäure vorliegt beobachte ich in meiner Praxis häufiger als einen Magensäure-Überschuss.

 

Schwache Produktion von Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse

Für eine gute Verdauung benötigt der Körper verschiedene Verdauungsenzyme. Diese werden unter anderem von der Bauchspeicheldrüse gebildet.

Stehen nicht ausreichend Verdauungsenzyme zur Verfügung, können Nahrungsbestandteile unvollständig aufgespalten werden. Dies kann dazu beitragen, dass im Darm verstärkt Gärungs- und Fäulnisprozesse stattfinden.

Mögliche Beschwerden sind:

 

Leaky Gut – wenn die Darmbarriere aus dem Gleichgewicht gerät

Die Darmschleimhaut bildet eine wichtige Schutzbarriere zwischen Darm und Körperinnerem.

Wird diese Barrierefunktion beeinträchtigt, sprechen Fachleute häufig von einem „Leaky Gut“ beziehungsweise einer erhöhten Darmdurchlässigkeit.

In naturheilkundlichen Konzepten wird ein solcher Zustand häufig im Zusammenhang mit verschiedenen Verdauungsbeschwerden diskutiert. Dies können u.a. sein:

 

Schilddrüsenunterfunktion

Auch die Schilddrüse beeinflusst zahlreiche Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse.

Bei einer verminderten Schilddrüsenfunktion kann sich die Darmbewegung verlangsamen. Dies kann zu Verstopfung, träger Verdauung und in der Folge auch zu Blähungen beitragen. Auch einen Überwucherung (SIBO) von Dickdarmkeimen in den Dünndarm ist möglich.

 

Hormonelle Veränderungen bei Frauen

Viele Frauen beobachten, dass Verdauungsbeschwerden im Zusammenhang mit ihrem Zyklus, den Wechseljahren oder hormonellen Veränderungen zunehmen.

Östrogen und Progesteron beeinflussen unter anderem die Darmbeweglichkeit und können dazu beitragen, dass Blähungen oder Verstopfung entsteht.

 

Stress und das Nervensystem

Unser Darm steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in engem Austausch mit dem Nervensystem. Kennen Sie das auch, daß Sie in stressigen Phasen eher zu Blähungen neigen oder Durchfall bekommen? Dann sind Sie nicht alleine, denn viele Betroffene stellen fest, dass ihre Beschwerden in herausforderenden Lebensphasen deutlich zunehmen.

Anhaltender Stress kann die Verdauung beeinflussen und z.B. zu folgenden Beschwerden führen

 

Blähungen sollten ganzheitlich betrachtet werden

Anhand dieser möglichen Ursachen wird deutlich, daß Blähungen kein isoliertes Problem sind, sondern ein Hinweis darauf sein können, dass bestimmte Verdauungsprozesse aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Da zahlreiche Faktoren beteiligt sein können, lohnt sich oft ein genauer Blick u.a. auf Ernährung, Darmgesundheit, Verdauungsleistung, hormonelle Einflüsse oder Streßregulation.

 

 

Wie kann man möglichen Ursachen auf die Spur kommen?

Da Blähungen zahlreiche Ursachen haben können, ist eine individuelle Betrachtung der Beschwerden besonders wichtig.

Bereits in einem ausführlichen Gespräch lassen sich anhand der Art der Beschwerden, der Lebensführung, der Ernährungsgewohnheiten, der medizinischen Vorgeschichte sowie vorhandener Befunde häufig erste Hinweise auf mögliche Zusammenhänge gewinnen.

Je nach Beschwerdebild können anschließend weitere diagnostische Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Dazu zählen beispielsweise Untersuchungen auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die Beurteilung bestimmter Verdauungsfunktionen oder eine Analyse der Darmflora und ausgewählter Darmschleimhautparameter.

Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sein können, sollte sich stets an den individuellen Beschwerden und Fragestellungen orientieren. Ziel ist es, mögliche Einflussfaktoren besser zu verstehen und darauf aufbauend geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

 

Leiden Sie regelmäßig unter Blähungen, Völlegefühl oder anderen Verdauungsbeschwerden und möchten möglichen Ursachen näher auf den Grund gehen?

Gerne unterstütze ich Sie dabei, individuelle Zusammenhänge zu betrachten und passende diagnostische Möglichkeiten zu besprechen

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Vereinbaren Sie hierzu gerne einen Termin in meiner Praxis.

 

Wichtiger Hinweis

Die in diesem Artikel genannten Zusammenhänge dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder Behandlung. Verdauungsbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden fachgerecht abgeklärt werden.